Facebook Home – Human after all (?)

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Facebook Home

Heute Abend hat Facebook eine neue App für Android vorgestellt: Home. Das Unternehmen wird immer mobiler – und will immer mehr von uns wissen.

Menschen sollen im Mittelpunkt stehen, nicht Apps. Das ist das Credo nach dem Facebook Home entwickelt wurde. Nach den Vorstellungen der Mannschaft um Mark Zuckerberg nimmt Facebook die zentrale Rolle des Geräts ein, das uns die meiste Zeit des Tages begleitet. Wann immer wir es wollen, sollen unsere Freunde für uns greifbar sein. Der Messenger wird, nach Apples iMessage-Manier, mit der SMS-App Androids verschmolzen, der Homescreen besteht aus einer Slideshow aktueller Fotos und Kommentare der jeweiligen Facebook-Freunde. Facebook ist immer und überall zur Hand – egal in welcher App man sich befindet.

Eine App nach Vorbild des Like-Buttons

Facebook strebt nun etwas an, das ihm schon mit dem Like-Button glückte: nahezu überall dabei zu sein. Der Like-Button hat es auf eine unglaubliche Zahl von Webseiten geschafft. Lediglich Google Analytics genießt eine höhere Verbreitung als der Daumen aus Kalifornien.
Durch den Like-Button kann Facebook nachvollziehen, welche Wege die Nutzer auch außerhalb von www.facebook.com gehen. Dabei muss nicht einmal der Button vom Nutzer gedrückt werden – seine reine Anwesenheit liefert ein detailliertes Bewegungsprofil der Nutzer.

Genau das schafft Facebook nun mit Home. Eine eigene Ebene wird über alles gelegt, was der Nutzer tut. Egal welche App, egal was, wie oder wo: Facebook ist dabei. GPS-Daten aus Maps bzw. einer Foto-App, Nachrichten, Kontakte … all das wird man sich sehr gut merken. Man weiß bereits, wie und wo wir uns im Netz bewegen. Jetzt will Facebook auch noch wissen, wie und wo wir uns mit dem Smartphone bewegen. Warum auch nicht? Google weiß es schließlich auch.

Über die Grenzen einer Domain hinaus

Was aber, wie schon bei der Vorstellung des neuen Newsfeeds, auffällt: man verlor kein einziges Wort über Facebook-Seiten und ihre Gehilfen, die Anzeigen. Denn auch wenn man keinesfalls so dreist sein wird, Anzeigen in Home zu integrieren, wird man sehr wohl die Anzeigenkunden mit den Daten aus Home füttern können. Und wer sagt eigentlich, dass Facebook einzig und allein bei Facebook Anzeigen verteilen wird? Das Gerücht des Anzeigen-Netzwerks steht schließlich nicht erst seit gestern im Raum.

Nun gilt es abzuwarten. Zumindest in meinem Bekanntenkreis spielt Facebook eine immer geringere Rolle. Neben der reinen Kontaktverwaltung bzw. -erhaltung verkommt es immer mehr vom Mitmach- zum Mitlese-Netzwerk. Wer also jetzt schon nicht aktiv an Facebook teilnimmt, der wird sicher auch wenig Interesse für Home aufbringen.

Sollte der Feldversuch auf Android tatsächlich gelingen bleibt dann allerdings noch abzuwarten, wie die Idee auf andere Plattformen übertragen werden soll. Warten wir’s ab.

Update

allfacebook.de widerspricht meiner Vermutung bereits. Man hat bei Facebook nachgefragt und folgende Antwort erhalten: »We will bring ads to Coverfeed«

Der Autor

Kommunikationsplaner und –gestalter, Blogger und mit einer Prise Social Media unterwegs im (mobilen) Netz.

1 Kommentare

  1. Und ein weiterer Schritt von Facebook in Richtung Selbstzerstörung! Teile dieser App bringt mein Windows Phone 8 schon von Haus aus mit. Was wahrscheinlich auch der Grund ist, warum Windows Phones nicht berücksichtigt werden.
    Desweiteren degradiert das Windows Phone Facebook zu einem Informationskanal von vielen. Die Verwaltung der Kontakte übernimmt das Phone, das sammeln und Anzeigen aller relevanten Informationen zu jedem Kontakt ebenfalls. Sämtliche Quellen verschwimmen nun zu einem einheitlichen Ganzen, so dass ich in der Regel garnicht weiß über welchen Kanal ich gerade mit jemandem chatte. FB, SMS, WhatsApp, Google+, etc. alles wird auf dieselbe Ebene reduziert.

    Meiner Meinung nach ist das die Zukunft. Dadurch dass sich die User immer mehr auf verschiedene Social Plattformen verteilen, braucht man ein Endgerät, dass alle diese Plattformen unter einen Hut bringt.
    Ein FB Home ist hierbei – im Sinne des Endusers – kontraproduktiv, weil es versucht FB als Alleinstellungsmerkmal zu etablieren. Das werden sich die Nutzer nicht gefallen lassen und weiter von FB abwandern.

    Als ich vor zwei Jahren vorhersagte, dass es FB in der Art, wie wir es kennen spätestens in fünf Jahren nicht mehr geben wird, wurd ich noch allgemien belächelt… Vielleicht schaffen sie es aber auch schon in vier! ;)

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